Stefan Oßwald hat die in der letzten Woche in allen Varianten erneut inszenierte Oper “Mein Unternehmen kann das Internet verbieten, oh, leider doch nicht” rund um die Jako AG rezensiert und dabei so akribisch Zahlen, Fakten und Clippings zusammengetragen, dass wir weiterhin auf Fail Island gekühlte Getränke in der Hängematte zu uns nehmen können. Cheers, Stefan!

Schweine im Web-All

26. August 2009

Wer heutzutage bei der jungen Zielgruppe so richtig die dicken Schnitzel vom Teller ziehen will, der braucht vor allem eines: Street Credibility. Und diese fliegt einem selbstverständlich in welcher Jugendkultur quasi wie gebratene Tauben direkt in den Mund? – Klar, bei den crazy Typen vom Hiphop! Die sind immer total saudown mit der Welt, hängen in Hinterhöfen rum, bewahren ihre heisse Musik im brennenden Mülleimer auf, rauchen Wiener Würstchen und twittern sich nebenbei die Klauen wund. Außerdem sind sie ein sonnenbrilletragendes Schwein.
Qulio
So jedenfalls stellt sich das offenbar die Firma BiFi vor, welche ihr gesamtes Testimonialbudget für die nächsten 10 Jahre gemeinsam mit ein paar Kilos Minisalami leider bereits Bastian Schweinsteiger in den Rachen geworfen hat und nun, da „die Mini-Brühwurst in der extra – stylischen Frischepackung für Aufreissertypen“ aka „BiFi Wiener“ in die Ladenregale und dann in die Picaldi-Jackeninnentasche des gemeinen Gesamtschülers verfrachtet werden soll, offenbar nicht mehr über die Mittel verfügt, Bushido oder Prinz Pi hinter die virtuelle Wursttheke zu stellen.

Stattdessen soll oben genannter Eber die Karre aus dem Trog ziehen: KING QULIO, laut eigenem Steckbrief Beatboxer, Graffitikünstler, Skateboarder sowie ein Freund der edlen „Rapp-Musik“.

Glücklicherweise ist King Qulio aber nicht auf den Rüssel gefallen und nutzt DAS trendy Sprachrohr Twitter, um mit der Peer Group in Kontakt zu bleiben. Dieses nun gottseidank sehr konsequent genauso, wie sich der normale Mensch die Inhalte eines twitternden Schweins vorstellen würde: Unfassbar langweilig und zudem in „Schweinejugendslang“: „Klar bin ich sauqul“, „Mal wieder sauheiß heute – aber ich find das saugeil.“ „Twittert, was für eine “qule Sau” ich bin und gewinnt ein qules Gewinnpaket!“.

Wer frei von Sülze ist, der werfe das erste Schwein.

http://twitter.com/qulio
http://www.bifi.de/king-qulio.asp

Manchmal muss man auch ein bisschen streng sein. Die folgenden Instruktionen sind ohne Ausnahme sofort zu befolgen.

1) Sucht nach einer riesigen Stereoanlage. Eventuell findet ja in eurer Nähe ein Festival statt, dessen Anlage ihr euch kurzfristig borgen könnt. Oder ihr habt audiophile Trottel mit einer Stereoanlage aus vier Tonnen birmesischem Fußquarz im Freundeskreis. Egal, laut muss es sein. Schließt diese Stereoanlage an euren PC an.

2) Erzeugt Aufmerksamkeit. Im Büro würde ich empfehlen, mit nacktem Oberkörper auf den Tisch zu steigen und laut schreiend kleine Kieselsteine auf die Kollegen zu werfen. Zuhause könnte man ja ein paar Möbel auf dem Balkon stapeln, anzünden und daneben stehend in die Luft schießen. Mit nacktem Oberkörper.

3) Wenn ausreichend Blicke auf euch gerichtet sind: Klickt den folgenden Link.

Man muss ja zum Glück nicht alles selber machen. Stefan Niggemeier erzählt in seinem Blog eine sehr schöne Geschichte vom Stern, dem nach Eröffnung einer Zwei-Wege-Kommunikation sofort seine dubiose Adressdatenvermarktungspraxis um die Ohren gehauen wird.

Anne Arndt dagegen teilt via Twitter eine sehr schöne Illustration, die vermutlich gar nicht einmal so weit hergeholt ist, wenn man den bisherigen Umgang von Unternehmensführungen mit sozialen Medien sieht.

Skydeck Brandcamp

Skydeck Brandcamp

Alles umsonst

30. Juni 2009

Wieviel Geld ist etwas wert, das man bereits gratis bekommen hat? Wir hier im Hause Social Media Fail sind ja etwas schwach auf der Brust, wenn es um volkswirtschaftliche Fragen geht, aber der Weltkonzern Sony Music hat für sich eine Antwort gefunden: Zwanzig Euro fünfundneunzig.

Das ist ganz genau der Preis, den man heute bei Amazon bezahlen muss, wenn man Myspace Playlist Vol. 1 erwerben möchte. Das ist eine Doppel-CD, auf der Musik enthalten ist, die ganz besonders gerne von Myspace-Nutzern auf der Plattform gehört wird. Natürlich hat es seinen Preis, wenn man genau diese Musik auf Myspace hören will: Dieser Preis beträgt null Euro.

Diese CD ist also vor allen Dingen für die Menschen von Interesse, die fest eingeplant haben, 21 Euro für bei Myspace verfügbare Musik auszugeben und bislang keine Möglichkeit dazu sahen. Wieviele mögen das wohl sein? Nun ja, am ersten Tag der Veröffentlichung ist der Tonträger nicht einmal in die deutschen Trendcharts eingestiegen. Das dürfte bedeuten, dass er am Freitag bundesweit weniger als fünfzig mal verkauft wurde.

Diese weniger als fünfzig Menschen möchte ich gerne noch direkt ansprechen: Sie besitzen jetzt also zwei CDs, auf deren Cover eine Kassette abgebildet ist und die nonexklusive Musik aus dem Internet enthält. Vielleicht kann ich Sie ja auch für CD-ROMs mit Disketten-Artwork und Doc-Files mit Artikeln des Social Media Failblogs begeistern? Sie kosten: Zwanzig Euro fünfundneunzig. Bestellungen bitte in den Kommentaren.