Academia entdeckt Twitter
5. Juni 2009
Was erstmal eine feine Sache ist. Schließlich wollten wir schon lange wissen, was da eigentlich los ist, endlich hinter die bloße Erscheinung blicken. Aber, ach: #fail.
Das Dictionary Team der Oxford University Press hat es auf sich genommen, seit Januar 1.496.981 Tweets zu beobachten, sie auszuwerten und uns zu erklären, wie Twitter die Sprache verändert. Ergebnis: Sätze auf Twitter sind halb so lang wie im Durchschnitts-Englisch, das Gerund (“eating”, “watching” etc.) kommt wesentlich häufiger vor, und “I” liegt auf Platz zwei der meistverwendeten Worte (Platz 10 in Englisch 1.0).

Das Fazit liegt auf der Hand: “No doubt this reflects on the intrinsically solipsistic nature of Twitter.”
Hm – wie war das nochmal: Der Solipsismus behauptet, “nur das eigene Ich sei wirklich, während die Außenwelt und andere fremde Ichs nur Bewusstseinsinhalte ohne eigene Existenz darstellten.”
Richtig, das ist ja der Punkt an Twitter: Eine Plattform für solipsistische Blurps zu bieten. Nicht: Informationen zu teilen. Dass oben bei Twitter “What are you doing?” steht, ist natürlich keine Erklärung für “just how often people use Twitter to report on whatever they are experiencing at the time.” Und dass Sätze auf Twitter kürzer sind, hat natürlich nichts mit dem Zwang zu konziser Ausdrucksweise zu tun – sondern mit Sprachverfall.
Dass auf Twitter das durchschnittliche Wort doppelt so lang ist wie im Mainstream-Englisch: wird nicht erwähnt. Das wiese ja darauf hin, dass die Zeichenbeschränkung intelligent genutzt wird.
Oh objektive Wissenschaft, wärst Du doch nur klüger als die Mainstream-Medien. Aber das Neue erkennst auch Du nicht.