Heute möchte ich mal Abstand von all den niederen Instinkten nehmen. Man muss nicht immer nur kritisieren, sondern kann auch mal von ganzem Herzen ja sagen. Ja zu Musik 2.0, ja zu 200 Euro pro kostenlosem Download, ja zu baden-württembergischen Nudeltriphop, ja zu unverbrauchten und unverbildeten Sprechern in Werbespots und schliesslich ja zu Openpot, der etwas anderen Web 2.0 Plattform für Musikvermarktung!

Ich hätte mich ja gerne mit einem neuen Fail auseinandergesetzt, aber Watch Your Web zwingt mich dazu, schon wieder ein paar Worte über sie zu verlieren. Die “Plattform für sicheres Surfen im Web” bietet nämlich auch den herrlichen Test “Welcher Web-Typ bist Du?” an. Jede einzelne Frage ist eine Perle aber irgendwann entgleitet den Machern der Seite der Faden vollständig. Es reflektiert nämlich im Verständnis von Watch Your Web gutes Onlineverhalten, wenn Google möglichst wenige Resultate, vor allen Dingen bei der Bildersuche, über einen Menschen finden kann.

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Stefanie Kloß, die alte Online-Profilette und Sängerin der im deutschsprachigen Raum beliebten Gruppe Silbermond, hat es also durch einen perfiden Trick geschafft, weniger Googletreffer zu generieren als der Sänger einer weltweit erfolgreichen “Band” und viel weniger Einträge als eine mit den Boulevardmedien des Universums verheiratete Hotelerbin, die von Zeit zu Zeit Pornofilme dreht. Wie in drei Teufels Namen mag ihr das wohl gelungen sein? Und: Was für ein Loser ist eigentlich Barack Obama? 105 Millionen Googletreffer, darunter auf Seite eins sein Facebook-Account und Youtube Videos, in denen man ihn SEHEN kann. Webman! Hilf!

Am Sonntag ist bekanntlich Europawahl. Eine so sehr wichtige Wahl, dass die Parteien ihre stärksten Politschlachtrösser aus den Stallkatakomben herausholen und sie frisch 2.0-gestriegelt ins Rennen um die Abgeordetensitze schicken. Zu dem Zweck wird für den Burgdorfer Spitzenkandidaten Bernd Lange direkt mal bei den Erben von Gene Roddenberry angeklopft und eine Star Trek-Lizenz eingekauft, die dann aber so teuer gewesen sein muss, dass leider kein Cutter mehr bezahlt werden konnte.

Gottseidank reichte es aber zu einem eigenen Youtube-Channel. Hier dokumentiert Bernd Lange eindrucksvoll, wie kurzweilig ein Samstag morgen auf dem Solarfest in Hannover sein kann, solange man sich nur traut, eine Lederjacke zu tragen und mit einem Cowboy zu sprechen oder mit einem Spielmannszug im Gleichschritt zu marschieren, einfach mal so.

Harter Wahlkampf, harter Alltag auf Europas Parkett: Während Karl-Theodor zu Guttenberg in Deutschland ein wenig lässig bei Karstadt mit seiner Frau shoppen gehen kann, muss Bernd Lange Auslandskompetenz und vollen Körpereinsatz mitbringen: Natürlich als Rallyefahrer in Finnland (Dass der Clip mit einer nichtlizensierten Schnittsoftware erstellt ist, liegt bestimmt wieder an den fies hohen Star-Trek Kosten).

Seinem Leitspruch “Hier wird gerudert und nicht geschludert!” entsprechend zeigt er sich dann auf seiner Homepage auch noch stringent als Freund motorisierter Zweiräder aller Art und wurde offenbar bei der Fotoauswahl von Aphex Twin beraten.

Aphex Lange

Und was bekommt man, wenn man ordentlich viele Autorennen fährt und zudem mit alten Fahrzeugen durch Brüssel dengelt? Richtig, das “Bundesverdienstkreuz 2001 für Verdienste um die Luft in Europa”. Wenn Ihr am Sonntag also noch ein Kreuz (auf dem Wahlzettel) überhaben solltet, dann gebt es doch Bernd Lange, denn bei allen Netzseltsamkeiten hat es sein liebster Romanheld doch immerhin zu einer veritablen Marionettenkarriere gebracht: “Er ist mutig, klug und voller Zuversicht: Sir Oblong-Fitz-Oblong, “der kleine dicke Ritter” mit dem großen Herzen, der es wagt, ganz allein gegen den bösen Baron Bolligru zu kämpfen und gegen Drachen vorzugehen – im Buch von Robert Bolt, dann auch in der Augsburger Puppenkiste.”